William Preston Longley

(Wild Bill)


(Geb. 16. Oktober 1851, Austin Country, Texas; gest. 11. Oktober 1878, Giddings, Texas. Farmer, Zureiter, Cowboy, Fuhrmann, Packmeister, Holzfäller)


Der am Mill Creek im Austin County geborene Longley zog im Alter von zwei Jahren mit seiner Familie in die kleine texanische Stadt Evergreen, wo er aufwuchs und bereits in jungen Jahren schießen lernte. Zwei Jahre nach dem Bürgerkrieg tötete der fünfzehnjährige Longley einen farbigen Soldaten - es war der Beginn einer Mordserie, die vor allem gegen Schwarze gerichtet war und die ihm den Beinamen "Niggerkiller" eintrug.

Eine Zeitlang ritt er gemeinsam mit anderen Jugendlichen Pferde zu, doch nachdem er in einem Zirkus wild um sich geschossen und bei zwei Anschlägen drei Schwarze getötet hatte, verließ er sein Zuhause und heuerte bei John Reagon im Karnes County als Cowboy an. Kurz darauf tötete er einen weiteren Soldaten, flüchtete mir einem Pferdedieb namens Tom Johnson und wurde bei dessen Haus gelyncht. Die Henker gingen jedoch stümperhaft zu Werke. Johnson kam zwar zu Tode, doch Longley lebte noch, als man ihn nach dem Abzug der Posse vom Seil schnitt. 

Danach schloß Longley sich Cullen Bakers Bande an, kehrte aber nach Bakers Tod im Jahre 1869 nach Evergreen zurück. Er brach mit einem Viehtreck nach Kansas auf, schoß unterwegs den Treckboß nieder und begab sich nach Salt Lake City. Als er schließlich in Kansas landete erschoß er erneut einen Soldaten und wurde ins Gefängnis geworfen, konnte jedoch einen Wärter bestechen und entkommen.

Anschließend verschlug es Wild Bill (nicht zu verwechseln mit Wild Bill Hickok) nach Wyoming, wo er in Camp Brown (dem späteren Fort Washakie) eine Anstellung als Fuhrmann und Packmeister fand. Da er für die zahlreichen Maultiere und Packpferde des Militärstützpunktes verantwortlich war, verbündete er sich mit einem korrupten Quartiermeister und übervorteilte die Regierung bei den An- und Verkäufen des für die Truppe bestimmten Viehs. Bald darauf überwarf Longley sich mit seinem Komplizen, tötete ihn und war anschließend neun Monate lang im Wachhaus inhaftiert. Er wurde schließlich zu einer dreißigjährigen Zuchthausstrafe verurteilt, konnte aber aus Camp Brown entfliehen, ehe man ihn ins Iowa State Prison überstellte.

Longley tauchte im Indian Territory unter, lebte ein Jahr lang bei den Utes und kehrte dann auf die Farm seines Vaters zurück, wo er eine Zeitlang ein ruhiges, arbeitsames Leben führte, ehe er weiter durch Texas zog. Er wurde im Mason County vorübergehend festgenommen und konnte sich erneut die Freiheit erkaufen, tötete aber bald darauf in der Nähe seines Hauses einen Mann und wurde im Delta County inhaftiert. Am 12. Juni 1876 konnte er entkommen und ins Indian Territory fliehen, kehrte aber über Arkansas nach Texas zurück. Bald darauf beging er einen weiteren Mord und flüchtete ins westliche Louisiana, wo er in der Nähe von Keatchie ein Stück Land pachtete.

Zwei Ordnungshüter aus Nacogdoches drangen heimlich in Louisiana ein und zwangen Longley mit vorgehaltener Schrotflinte zur Rückkehr nach Texas. Nachdem er in Giddings inhaftiert und zum Tode verurteilt worden war, beklagte er sich beim Gouverneur über die ungerechte Behandlung, da der Killer John Wesley Hardin kurz zuvor mit einer langen Freiheitsstrafe davon gekommen war. Als er keine Antwort erhielt, trat er zum katholischen Glauben über und schrieb, während er auf eine Entscheidung über sein Gnadengesuch wartete, fromme, reumütige Briefe an diverse Zeitungen. 

Als er fünf Tage vor seinem 27. Geburtstag hingerichtet wurde, ging er tapfer in den Tod, obwohl beim ersten Versuch seine Knie auf den Boden schleiften und man ihn wieder hochziehen und ein zweites Mal hängen mußte.

 


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Quelle: Gunfighter, Enzyklopädie von Bill O'Neal