Round-up


Das Ereignis, dem jeder Cowboy ungeduldig entgegenfieberte, war das Round-up, wenn das Vieh auf den offenen Weiden zusammengetrieben wurde. Dann trafen sie alte Bekannte, schlossen neue Freundschaften - und konnten zeigen, was sie wert waren.

Bevor die Rancher ihr Weideland mit Stacheldrahtzäunen abgegrenzt hatten, grasten die Herden überall auf  dem freien Land. Zweimal im Jahr mussten sie zusammengetrieben werden: Im Frühjahr, um die neuen Kälber mit Brandzeichen zu versehen, und im Herbst, um diejenigen Tiere auszusondern, die zu den weit entfernten Eisenbahnstationen gebracht werden sollten. 

Die Vereinigung der Viehzüchter bestimmte das Datum des Round-ups und ließ für die Rinder, die jeweils an einem Tag zusammengetrieben wurden, Sammelstellen einrichten. Dann wurden die Round-up-Mannschaften ausgeschickt. Nach getaner Arbeit strömten die müden hungrigen Männer zu zu den Essenswagen. Während sie sich vollstopften und kochend heißen Kaffee tranken, tauschten sie Neuigkeiten und Geschichten aus. So war das mörderisch harte Round-up ein Höhepunkt im entbehrungsreichen Leben eines Cowboys.

 

 

Ablauf eines Round-up:

Die Cowboys treiben das Vieh zusammen und bringen es zur Sammelstelle.

 

Bei einem Round-up muß das Vieh jeder Ranch in ein bestimmtes Gebiet zusammengetrieben werden. Die ersten Männer reiten schon beim Morgengrauen hinaus und wählen die Zonen aus, die an diesem Tag abgesucht werden sollen. Paarweise schicken sie dann Männer los, um diese Gebiete einzukreisen und das Vieh zur Sammelstelle zu treiben. Die Vortreiber übernehmen des Außenkreis und suchen auch die Schluchten ab, in denen sich das Vieh versteckt halten könnte. In Abständen von zwei bis drei Kilometern nähern sich die Männer mit ihren Tieren der Sammelstelle. Während zwei Reiter die Herde an Ort und Stelle halten, wechseln die anderen die Pferde und beginnen, alle Kühe mit Kälbern auszusondern, die noch kein Brandzeichen tragen.

Nun trennen sie die Kühe mit den nicht gekennzeichneten Kälbern von der Herde, wobei einige zahme Kühe helfen, indem sie die anderen Tiere beruhigen.

 

 

Während mehrere Reiter verhindern, dass die ausgesonderten Tiere wieder zur Hauptherde zurückkehren, fangen die Roper mit Wurfschlingen (Lassos/Ropes) die Kälber ein und ziehen sie zu den Flankers, dessen Aufgabe es ist, Flanke und Vorderfuß des eingefangenen Kalbs zu packen und es festzuhalten, damit es das Brandzeichen bekommen kann. Bevor er das Kalb zur Brandstelle bringt, überzeugt sich der Roper erst, ob es auch wirklich einer bestimmten Kuh folgt, damit es das richtige Brandzeichen bekommt. Er ruft dem Markierer Brandzeichen und Ohrmarkierung der Mutter des Kalbs zu; das gleiche Zeichen bekommt dann das Kalb.

 Der Ironman ist für die Brandeisen und das Brennen verantwortlich. Das Eisen muß heiß genug sein, dass es eine Schorfwunde verursacht; es darf aber nicht so heiß sein, dass es die Haut verletzt. Das Brandeisen hat einen Durchmesser von etwa zwölf Zentimetern und wird nur kurz und leicht angedrückt. Was der Markierer vom Ohr eines Kalbs abschneidet, wenn es die Ohrmarkierung des Muttertiers erhält, wird in einen Eimer getan. Am Schluß werden die Ohrstückchen gezählt und dienen als Gegenprobe zur Liste des Tallyman.

 

Der Tallyman notiert sich Zahl, Geschlecht  und Besitzer der Kälber und ruft sie aus. 

Er muß ein vertrauenswürdiger, genauer Mann sein; häufig ein älterer Cowboy, der der schweren körperlichen Arbeit nicht mehr gewachsen ist. 

Aus seiner Liste geht die Gesamtstärke jeder Herde hervor

 

Eine der schwierigsten Künste, die ein Cowboy gerade beim Round-up beherrschen muß, ist das Lassowerfen. Die besten Lassowerfer (Roper) müssen Entfernungen und Geschwindigkeiten genau abschätzen können, wenn sie in eine Herde hineinreiten, um die Kälber einzufangen. Da die Wurfleine einem erwachsenen Tier - das sich ja heftig wehrt - das Fell aufreißen oder die Beine brechen kann, werden diese Tiere nur dann mit dem Lasso eingefangen, wenn sie aus der Herde ausgebrochen sind oder tierärztliche Hilfe brauche.

 

Auch wenn das Round-up eine Knochenarbeit für die Cowboys war und sie mehrere Tage lang täglich bis zu 18 Stunden bei Staub, durcheinander schreiender Cowboys, stampfender Hufe und brüllender Rinder im Geruch von Rauch, Schweiß und versengter Haare im Sattel saßen, waren die Round-ups wohl aus den eingangs genannten Gründen die Höhepunkte im Leben jeden Cowboys.

Quelle: Das große Readers Digest Jugendbuch Bd. 19