Cattle Trade


Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg im Jahre 1865 begann die wahrscheinlich beachtenswerteste Entwicklung, welche die amerikanische Geschichte prägte und zwar der in der Geschichte wohl einmalige Aufschwung der Viehwirtschaft (cattle trade). Jetzt begann die große Zeit der Cowboys, welche die riesigen Weidegründe des Westens von Amerika betraten.

Der Cowboy geht auf die kriegsgefangenen Indianer der Spanier zurück, welche diese ausbildeten, um das Vieh in den Missionen der Mönche zu hüten. Diese Indianer konnten tagelang auf ihren Pferden reiten und arbeiten, denn sie besaßen eine erstaunliche Ausdauer. Auch die Ausrüstung dieser ersten "Cowboys" wurde zuerst von den späteren Cowboys übernommen. Sei es das Tuch, welches der Indianer unter dem breitrandigen Hut, welcher ihn vor der sengenden Sonne und den gewaltigen Regengüssen schützte, um den Kopf gewickelt trug, die an den Seiten zugeknöpften knielangen Hosen oder die Stiefel aus Hirschleder. Große Rindlederstücke fielen vom Sattelknauf herab, welche die Beine der Indianer vor Dickicht und Dornen schützten und am Sattelknauf hing das aufgerollte Lasso, welches korrekt eigentlich Lariat heisst, griffbereit als Schlinge. Diese Indianer wurden Vaquero genannt und man traf sie besonders in Mexiko und Kalifornien an. Das Wort Vaquero kommt vom spanischen Wort für Kuh - Vaca.

Vaquero

Sie hüteten zähe, schwarze andalusische Rinder, aus denen dann später das berühmte Texas-Longhorn gezüchtet wurde und welches einigen weitsichtigen Texanern die Chance bot viel Geld zu verdienen.

Durch den Goldrausch in Kalifornien wurde dort das Fleisch nämlich immer knapper und diesen Umstand nutzten die texanischen Rinderzüchter aus, indem sie ihre Rinder nach Kalifornien trieben und dort für viel Geld verkauften. Zwar unterbrach der amerikanische Bürgerkrieg diese Entwicklung, aber die Texaner hatten dadurch gelernt, dass man Rinderherden selbst unter den ungünstigsten Bedingungen über weite Entfernung treiben konnte, um sie zu den Käufern zu bringen.

Die Heimat der Viehzucht war der äusserste Süden von Texas, die sogenannte Brasada, welche sich vom Rio Grande und dem Tal des Nueces in einem Halbbogen bis an den Rio Colorado, dann von der Küste der Matagorda Bay bis nach Brownsville an der Südspitze erstreckt. In diesem unwirtlichen Buschgelände und dornigen Dickicht tummelten sich die Rinder, welche von jenen spanischen Herden abstammten, die nach der Revolution in Texas von 1836 nach dort gewandert waren, zu Tausenden.

Schon 1830 schätzte man den Bestand auf ungefähr 100.000 Stück, im Jahre 1850 auf 330.000 und nur 10 Jahre später auf 3,5 Millionen!  Da die Mexikaner das Land verlassen hatten, gehörten diese Tiere faktisch niemandem und so trieben die Amerikaner, welche nach 1836 in das Land strömten, die Rinder zusammen, bis eine Herde groß genug war, um sie nach Norden zu treiben und dort zu verkaufen.

 

(In dieser Zeit wurde auch der Begriff Maverick geprägt. Unter den Ranchern, welche in der Zeit des Krieges mit Mexiko kaum Zeit fanden  sich um die Kennzeichnung ihrer Rinder zu kümmern gehörte auch Colonel Samuel A. Maverick. Dieser besaß in der Nähe von San Antonio eine Herde, welche er 1845 als Zahlung angenommen hatte. Durch den Krieg gerieten die Tiere in Vergessenheit, so dass sie sich mehr als erwünscht vermehrten. Sie treiben sich überall herum und sobald jemand eines von ihnen sah, sagte er: "Das ist ein Maverick." Die Gelegenheit war günstig, die Tiere einzufangen und mit dem eigenen Brandzeichen zu versehen.

Einige der berühmtesten Brandzeichen aus der Zeit des Cattle Trade. Schon unter Hernán Cortés, dem Eroberer von Mexiko, wurde das Vieh gekennzeichnet. Als sich die Viehzucht nach Kalifornien und Texas, sowie bis nach dem Norden der USA verbreitete, übernahmen die Amerikaner diesen Brauch. Im Laufe der Zeit wurden die Brandzeichen immer zahlreicher und komplizierter, so dass man Brandzeichen-Bücher anlegte, um Irrtümer zu vermeiden

Als der Colonel später die Herde wieder eintrieb, wanderten immer noch genügend "Mavericks" umher und so blieb der Begriff "Maverick" für ein Rind ohne Brandzeichen.)

 

Den Treibern, welche diese Viehtriebe durchführten, gab man einen Namen, welcher ihnen Weltruhm einbringen sollte - Cowboys!

Da die Herden von Jahr zu Jahr größer wurden, mussten sich die Texaner nach neuen Absatzmärkten umsehen. Das erste große Treiben von Texas nach Norden fand 1846 statt, als man Tausende von Rindern nach Ohio trieb. In den fünfziger Jahren erreichte man dann bereits St. Louis, nördlich des Indianer-Territoriums (Oklahoma). Diesen Weg nannte man zuerst den Kansas- und dann später den Shawnee-Trail.

Die Trails:

 

Die Cowboy hatten es auf dem Viehtrieb nicht leicht. Denn nicht nur die Rinder selber, Viehdiebe, Indianer und das Wetter machten ihnen immer wieder zu schaffen, sondern auch die Farmer von Kansas und Missouri. Diese wehrten sich mit Erbitterung gegen die Longhorns, welche ihrer Meinung nach das gefürchtete Texas-Fieber einschleppten. Es wurden sogar Gesetze gegen das Treiben der Herden durch den Staat erlassen, was aber letztendlich nichts half, da die Cowboys trotzdem immer wieder Wege fanden, mit ihren Herden durchzukommen.

Nach Ende des Bürgerkrieges 1865 war Texas wirtschaftlich am Boden zerstört. Doch man besaß immer noch einen Trumpf: Das Longhorn!

Texas Longhorns

Die Texaner begannen unter unsäglichen Mühen die weit verstreuten Tiere wieder von neuem zusammenzutreiben und schon 1866 brachte Jim Daugherty die erste Herde in einem abenteuerlichen Zug nach Fort Scott.

Charles Goodnight und Oliver Loving

 Es waren Charles Goodnight und sein Partner Oliver Loving, welche davon überzeugt waren, dass man auch in Colorado einen guten Absatzmarkt finden würde. Die beiden Rindermänner fassten den Plan, seine Herden südwestwärts zum Pecos-River zu treiben und von dort aus weiter nach New Mexico und Colorado. 1866 machten sich ca. 2000 Rinder und 18 bewaffnete Cowboys auf den schier endlos scheinenden Weg über die verlassene Butterfield Overland Mail-Route. Heute mögen uns die Strapazen, welche die Menschen und Tiere während dieses höllischen Marsches durch die Wüste der Staked Plains erdulden mussten, unfassbar erscheinen. In eine riesige Staubwolke gehüllt war die Herde monatelang unterwegs und die Sorge, rechtzeitig wieder einen Fluss oder wenigstens Wasserlöcher zu erreichen, beherrschte das ganze Denken der Cowboys. Dazu kam die ständige Angst vor einem unkontrollierten plötzlichen Ausbrechen der Herde (die gefürchtete Stampede), vor Viehdieben und Überfälle durch Indianer. Und doch schafften sie das Unmögliche und verkauften die Rinderherden mit einem guten Gewinn für 12.000 Golddollars in Fort Sumner. Sie hatten unterwegs über 400 Tiere verloren.

Originalmodell eines Chuckwagons

Für diesen Treck hatte Goodnight den wahrscheinlich ersten Chuckwagon (Küchenwagen) bauen lassen. Er ließ einen alten Armeewagen mit dem zähesten Holz - dem Bois d'arc, aus dem die Indianer auch ihre Bögen herstellten, umkonstruieren. Der hintere Teil des Wagens bestand aus mehreren Fächern mit einem Klappbrett, so dass es der Koch als Arbeitstisch benutzen konnte.

Für das verdiente Geld kauften Goodnight und Loving sofort eine neue Herde, die sie auf dem gleichen Trail abermals durchbrachten - diesmal ohne nennenswerte Verluste.

Jedoch hatten die Comanche-Indianer sehr bald herausgefunden, dass es auf dem Goodnight-Loving-Trail reiche Beute zu holen gab und bei einem ihrer plötzlichen Angriffen wurde Loving so schwer verwundet, dass er kurze Zeit später starb.

Das große organisierte Viehtreiben von Texas nach dem Norden begann aber eigentlich erst mit Joseph McCoy, einem Viehhändler aus Illinois. Er baute seit 1867 große ausgedehnte Corrals in Abilene, Kansas. In diesen wurde das Vieh aufgenommen, welches von Abilene aus mit der Eisenbahn nach Chicago transportiert werden sollte. Durch McCoy's Agenten wurde die Nachricht, welche Vorteile Abilene für die texanischen Viehzüchter hätte, rasch verbreitet und bereits 1869 kamen 150.000 Longhorns dort an. Der größte Teil dieser Rinder wurde über den Chisholm-Trail nach Abilene getrieben.

Jesse Chisholm

Jesse Chisholm, ein Halb-Cherokee, benutzte bereits seit längerem den nach ihm benannten günstigen Chisholm-Trail, auf welchen die meisten Zubringerwege aus dem östlichen und mittleren Texas im Laufe der Zeit führten. Er zog sich teilweise durch das Gebiet der Chickasaw-Indianer, die nach langen Verhandlungen fünfzig Cent pro Tier als "Wegzoll" verlangten, was Chisholm auch zahlte. Er hatte als Halbblut ein ausgesprochen gutes Verhältnis zu den Indianern und trieb auch ansonsten Handel mit ihnen. Chisholm stammte aus Tennessee und baute an dem nach ihm benannten Chisholm Creek eine Ranch von der dann ein Trail ungefähr 220 Meilen nach Norden führte. Dies war der ursprüngliche Chisholm-Trail, den die Cowboys als Teilstrecke benutzten, da er nach Süden und Norden verlängert wurde. Man nannte aber den gesamten Trail von Texas nach Kansas allgemein Chisholm Trail, obwohl er mit dem eigentlichen nicht viel gemein hatte. Ausser mit Indianern hatte auch die Chisholm-Mannschaft mit Farmern zu tun, denn diese drangen jetzt ebenfalls immer weiter nach Westen in die Prairie vor und hinderten das Viehtreiben durch die Einzäunung ihres Gebietes. Die alte Klage wegen der Einschleppung des Texas-Fiebers kam wieder auf und als endlich in Ellsworth und Dodge City die Eisenbahn-Verlademöglichkeiten eingerichtet waren, verschob sich der Chisholm-Trail nach Westen.

Dodge City sollte in diesen Jahren zur berühmtesten und berüchtigsten Stadt des Wilden Westens werden, denn sie war der Endpunkt des Western Trails, der in Fort Griffin begann, über den Red River und durch das Indian Territory führte und in Dodge City endete, wo sich dann die rauen Cowboymannschaften, die Glücksritter und Gunfighter trafen und sich zahlreiche Legenden bildeten.

Quellen: Der wilde Westen von G. Schomaekers