Allgemeines


Es waren die Spanier, welche die ersten Rinder nach Kalifornien brachten. Sie schlachteten die Tiere vor allem wegen der Häute, die dann um Kap Hoorn herum nach Europa und dem nordamerikanischen Osten verschifft wurden.

Die Texaner trieben ihr Vieh anfangs nur auf die Märkte in St. Louis und New Orleans. 

Als jedoch nach dem Bürgerkrieg die Eisenbahnlinien entstanden, wurde die Viehzucht zu einem großen Geschäft. Große Trecks mit Tausenden von rindern wurden von den Züchtern zusammengestellt, die über den Chisholm Trail nach Norden zu den Verladerampen in Abilene, Sedalia und Dodge City getrieben wurden. Von dort aus rollten sie dann mit der Eisenbahn nach dem fleischhungrigen Osten.

In jenen Tagen liefen die Rinder auf dem riesigen nicht eingezäunten Weideland frei herum und jeder Rancher brannte den Tieren ein eigenes Zeichen ein, um sie als sein Eigentum zu kennzeichnen. Gewöhnlich zweimal im Jahr trieben die Züchter alles Vieh zusammen (Round Up) und sonderten die Rinder nach ihren Brandzeichen auseinander.

Viele gewissenlose Rancher bereicherten sich damals, indem sie noch nicht gekennzeichneten Rindern ihr Zeichen einbrannten oder bereits eingebrannte zu ihren Gunsten veränderten. Diese Art von Viehdiebstahl wurde im alten Westen als ein schweres Verbrechen betrachtet, denn das Vieh war das einzige Gut eines Ranchers. Ertappte man Viehdiebe, endeten diese sehr oft mit einem Strick um den Hals, am nächsten Baum hängend.

Der Cowboy sah sich nicht als Rinderhirt, sondern zumeist als Reiter, weil er während seines langen Arbeitstages von zwölf bis fünfzehn Stunden fast ständig im Sattel saß. Dementsprechend kleidete er sich möglichst bequem.  

Er trug Arbeitshosen aus Denim und wenn er sich in Gegenden mit viel Unterholz oder Kakteen befand streifte er Lederhosen ("leggins" oder "chaps") darüber.  Sein Hemd war zumeist aus Baumwolle und statt einer Jacke zog er eine Weste vor, weil sie mehr Armfreiheit. Die Füsse steckten in Stiefeln mit ziemlich hohen Absätzen, die zwar zum Gehen nicht unbedingt bequem waren, aber den Füßen in den Steigbügeln mehr Halt boten An den Absätzen klirrten in der Regel Sporen und sein Hut war breitrandig, um das Gesicht und den Nacken gegen die sengende Sommersonne und gegen Regen und Schnee zu schützen. Um den Hals schlang er sich ein großes meist buntes Tuch ("Bandana"), welches er beim Viehtrieb zum Schutz gegen den Staub über die Nase zog.

 

Bis zum Erscheinen der spanischen Eroberer mit ihrer Reiterei in Mexiko und Kalifornien gab es in ganz Nordamerika keine Pferde. Die Reitpferde der im Kampf gefallenen Spanier, liefen meistens davon, streiften in Rudeln über die weiten Ebenen, vermehrten sich und verwilderten bald. Die Indianer fingen einige davon ein und zähmten sie wie die weißen Männer zum Reiten. Diese halbwilden Pferde waren klein, zäh und flink. Die Cowboys nannten sie Mustangs oder Broncos.

Die Viehzüchter kreuzten diese später mit Vollblut und Gebrauchspferden aus dem Osten. Das Ergebnis waren Pferde, welche sich ausgezeichnet zum Rinderhüten eigneten. Da sie über eine Viertelmeile kaum zu schlagen waren, nannte man sie bald die "Viertelmeiler" (Quarterhorses).

Der Sattel des Cowboys war und ist ein großes schweres Ding, entsprach jedoch allen an ihn gestellten Anforderungen. Das große Horn an der Vorderseite (Sattelhorn), diente dem Cowboy dazu, das Lasso darum zu wickeln, wenn er ein widerspenstiges Tier eingefangen hatte oder er mit Hilfe seines Pferdes einen Wagen aus dem Schlamm ziehen musste. Mit den Lederriemen, die sich am Sattel befanden, schnallte er sein zusammengerolltes Bettzeug, sowie seinen langen Regen-, bzw. Staubmantel (Duster) und was sonst noch zu seiner Ausrüstung gehörte am Sattel fest. Reparaturen und Flickwerk an seiner Ausrüstung führte der Cowboy in der Regel in Eigenarbeit aus, da nur selten ein entsprechender Handwerker zur Hand und es außerdem wesentlich billiger für ihn war.

Fast alle Cowboys waren bewaffnet. Im Gewehrschuh (Scabbard) am Sattel steckte ein Gewehr und am Leibgürtel hing ein Revolver im Holster. Diese Waffen schützten ihn vor umherstreifenden Indianern, Viehdieben, Klapperschlangen, Wildkatzen und Wölfen, welche ihn oder sein Vieh gefährdeten. 

 

(Cowboy in Montana 1887 - Originalphotographie)

 

(Zwei Cowboys um 1900 - Originalphotographie)

 

Das bekannteste Gewehr des "Wilden Westens" war wohl die Winchester, der beliebteste Revolver der "Colt". Beide Waffen hatten gewöhnlich das gleiche Kaliber, damit man nicht zwei Sorten Patronen mit sich führen musste. 

Wie der Cowboy selber hatten diese Waffen ebenfalls einen entscheidenden Anteil an der Erschließung des amerikanischen Westens.

Doch die Cowboys waren nicht die einzigen amerikanischen Volkshelden. Noch berühmter oder besser - berüchtigter waren die Revolverhelden des "Wilden Westens". Über diese findet ihr mehr in der Rubrik "Gunfighter".

 

 

Quelle: Was ist was? Band 18 - Der Kampf um den Wilden Westen